Die Geschichte der Luisenklinik

Die Anfänge

In Bad Dürrheim bestand von 1912 bis 1939 ein "Erholungsheim für israelitische Kinder und minderbemittelte Erwachsene" ("Friedrich-Luisen-Hospiz").

Der Synodalausschuss der badischen Israeliten fasste im September 1906 im Zusammenhang mit den Feierlichkeiten der Goldenen Hochzeit des badischen Großherzogs Friedrich I. und seiner Frau Luise den Beschluss, in Bad Dürrheim ein "Hospiz für israelitische Kinder und minderbemittelte (weibliche) Erwachsene" zu errichten. Nachdem die Standortfrage geklärt war, trat am 18. März 1907 die Synode zu einer außerordentlichen Tagung zusammen. Geleitet wurden die Verhandlungen von Stadtrat Louis Marx (Bruchsal); Vizepräsident war Rabbiner Dr. Rawicz (Offenburg). Die Vorlage des Oberrates, zur Beschaffung der zur Erstellung des Hospizes erforderlichen Mittel ein Darlehen von 150.000 Mark aufzunehmen, fand ohne Debatte einstimmige Annahme. Mit der Erstellung eines Kindererholungsheims im höchstgelegenen deutschen Solbad hatte die Landessynode ein dringendes soziales Werk geschaffen.

Der Bau konnte 1908 bis 1912 durchgeführt werden. Treibende Kraft bei der Erstellung des Erholungsheimes war von Beginn an (und bis zu seinem Tod 1931) der Karlsruher Geheime Oberregierungsrat Dr. David Mayer und seine Frau Marie. Den Plan für das Gebäude hatte Architekt Arthur Lehmann aus Mannheim entworfen. Das Hospiz war zunächst zur Aufnahme von 76 Kindern eingerichtet. Am 28. Juli 1912 war die feierliche Einweihung, bei der zahlreiche prominente Personen von Seiten der Behörden, des Staates sowie der Israeliten Badens anwesend waren. Die Weiherede hielt Rabbiner Dr. Steckelmacher aus Mannheim. Ein Jahr später, am 28. August 1913, beehrte die Witwe des Großherzogs - Luise von Baden - das Friedrich-Luisen-Hospiz durch ihren Besuch.

Das Friedrich-Luisen-Hospiz wurde streng rituell geführt; die Aufsicht über die Küche hatte neben der Oberin der Bezirksrabbiner von Gailingen, zu dessen Bereich das Hospiz in Bad Dürrheim gehörte. Auf die Pflege des Schabbat und der jüdischen Feiertage wurde großer Wert gelegt; im Gebäude wurde zur Abhaltung von Gottesdiensten der Spielsaal neben dem Speisesaal im Erdgeschoss als Betsaal verwendet. Nach dem Bericht von Rabbiner Dr. Bohrer (Bericht unten von 1935) wurde auch der Speisesaal immer wieder als Synagoge verwendet. Regulärer Gottesdienst wurde gefeiert, wenn - häufig nur mit Hilfe von Kurgästen der Pension Waldeck - ein Minjan (10 religionsmündige Männer) anwesend war. Unter den zur Kur befindlichen Jugendlichen gab es meist auch ein paar Jungen, die bereits Bar Mizwa (d.h. religionsmündig) waren. Eine Torarolle war vorhanden (vgl. Bericht über die Feier des Schabbat im Hospiz von 1932.

Die erste Heimleiterin war Schwester Oberin Dorothea Kochmann aus Frankfurt (zuvor am Israelitischen Gemeindehospital in Frankfurt); erster Hausarzt war der Badearzt Dr. Paul Harraß. Als Lehrerin im Haus war Berta Weil, als Sekretärin Dora Marx tätig. Alle vier konnten von der Einweihung des Hauses 1912 bis über die Feier des 10-jährigen Bestehens des Hospizes gemeinsam miteinander arbeiten. Im Sommer 1924 übernahm die Heimleitung Oberin Bettina Falk aus Bad Mergentheim (geb. 1889; zuvor im Israelitischen Spital in Basel; ermordet nach der Deportation Ende September 1942 in der Tötungsstätte Raasiku bei Reval). 1924 war das Heim personell wie folgt ausgestattet: vier Personen, die für Leitung und Erziehung zuständig waren, sechs Schwestern sowie 15 Personen in Hauswirtschaft und Pflegepersonal (teilweise in Ausbildung). 1932 gab es zur Aufnahme von Kindern 105 Betten. Der Personalbestand hatte sich etwas verändert: vier Personen, die für Leitung und Erziehung zuständig waren, eine Schwester sowie 25 Personen, die für Hauswirtschaft und Pflege zuständig waren (teilweise in Ausbildung). Eine Zusammenstellung von neun in Leitung, Erziehung und Pflege tätigen Personen von 1933 siehe unten.

Die im Friedrich-Luisen-Hospiz aufgenommenen, meist 3- bis 15-jährigen Kinder (Mädchen bis 25 Jahren) stammten nach einer Zusammenstellung über die ersten zehn Jahre zu etwa einem Drittel aus badischen Orten, zu zwei Dritteln aus dem übrigen Deutschland sowie aus dem Ausland. Viele Kinder stammten aus Frankfurt.

Beim Novemberpogrom 1938 wurde das "Friedrich-Luisen-Hospiz" von Nationalsozialisten überfallen. Die im Haus befindlichen Kinder konnten - nach einem vorliegenden Bericht - durch den Hausmeister der Einrichtung in den Keller des Gebäudes gebracht und hier vor gewaltsamen Übergriffen geschützt werden.

Bis zur zwangsweisen Auflösung des Kinderheimes 1939 fanden im Friedrich-Luisen-Hospiz zahlreiche Kinder und erwachsene Mädchen Erholung (zwischen 1912 und 1937 etwa 11.000 Kinder); viele jüdische Kindermädchen und Praktikantinnen erhielten im Haus ihre Ausbildung.

Die Reichsvereinigung der Juden in Deutschland verkaufte unter dem Zwang der Verhältnisse das Heimgebäude 1941 an die damalige Berufskrankenkasse der Kaufmannsgehilfen in Hamburg. 1941 bis 1945 wurde es als Reservelazarett zweckentfremdet.

1950 wurde das Gebäude an das Diakonissen-Mutterhaus St. Chrischona in Bettingen bei Basel (vertreten durch den Chrischona-Schwesternverband Lörrach e.V.) verpachtet. Die offizielle Übernahme durch das Diakonissen-Mutterhaus St. Chrischona erfolgt am 1. April 1951. 1954 wurde das Gebäude durch den St. Chrischonaverband käuflich erworben. Von diesem wurde im Gebäude zunächst ein Kindersanatorium "Luisenheim" des Chrischonaverbandes eingerichtet.

Im Mai 1991 konnte die "Luisenklinik" eröffnet werden. Gründer und Leiter der Klinik war bis Anfang 2006 der im Jahr darauf verstorbene ärztliche Direktor Prof. Dr. Rolf Wahl.

Die Luisenklinik heute

1. Januar 1998 Eröffnung Luisenklinik in Stuttgart (PPRZ) mit 30 Tagesklinikplätzen; die erste teilstationäre Rehabilitationseinrichtung in Deutschland
Oktober 1999 Staatlich anerkannte Ausbildungsstätte für Psychologische Psychotherapeuten als erstes Ausbildungsinstitut in Baden-Württemberg
April 2001 Eröffnung der Kinder- und Jugendabteilung in Bad Dürrheim. 30 stationäre Planbetten und 10 tagesklinische Therapieplätze
Oktober 2004 Abteilung Psychosomatische Medizin und Psychotherapie mit 20 Akutbetten
Mai 2005 Eröffnung Klinikschule Schwarzwald-Baar
Sommer 2007 Sven Wahl als Vorstandsvorsitzender
Januar 2010 Einweihung des Bettina-Falk-Hauses
Januar 2010 Erweiterung PPRZ in Stuttgart um 10 tagesklinische Therapieplätze
10. Februar 2011 Eröffnung Kinder- und jugendpsychiatrischen Tagesklinik in Radolfzell mit 10 Tagesklinikplätzen
01. November 2013 Neubau PPRZ in Stuttgart; Erweiterung auf 80 Tagesklinikplätze
Februar 2015 Umzug der Verwaltung ins Pförtnerhaus; Neubau der Klinikschule Schwarzwald-Baar
Mitte Mai 2016 Eröffnung der Tiefgarage
04. Dezember 2017 Eröffnung des Rolf-Wahl-Hauses
Mitte 2018 Aufstockung der Tagesklinik in Radolfzell um 1 Stockwerk. Erweiterung auf 23 Plätze.
1. Mai 2021 30-jähriges Jubiläum der Luisenklinik, welches leider aufgrund von Corona nicht gefeiert werden konnte.
Dezember 2022 Aufstockung unserer Kinder- und Jugendpsychiatrie in Bad Dürrheim um 1 Stockwerk.

 

Buch „Vom jüdischen Kinderheim zur Luisenklinik – Die Geschichte des Friedich-Luisen-Hospizes in Bad Dürrheim 1912 – 2012“ 
In diesem Buch möchten die Herausgeber, Hr. Sven Wahl und Hr. Uwe Schellinger, über die ereignisreiche und wechselvolle Geschichte des Hauses erinnern. Durch die verschiedenen Facetten der Nutzung des Hauses seit 1912 ist das Buch auch ein Betrag zur vielfältigen Lokalgeschichte von Bad Dürrheim. 

Sollten Sie Interesse am Kauf des Buches haben, kann dieses direkt in der Luisenklinik erworben werden. Alternativ können wir Ihnen gerne nach vorherigem Geldeingang ein Exemplar zusenden. Bitte wenden Sie sich bitte an Frau Müller unter 07726 668 016 oder c.mueller@luisenklinik.de.